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Literaturabend
Festabend mit Josef Fendl am 24.04.2012
G'schichten aus dem Bayerischen Wald
"Literarischer Besenbinder" fegt durch vergangene Zeiten
Zusammen mit der "Oberpfälzer Grenzgangmusik" unter der Leitung von Cornelia Gurdan schenkte Josef Fendl fast 150 Besuchern in der "Almhütte" einen herrlich heiteren Abend. Ein Festabend des Heimatrings, der seinem Namen alle Ehre machte. Bei den Weidener Literaturtagen hat er sich längst als eine der beliebtesten Veranstaltungen etabliert.
Schließlich wird immer fröhliche Kost mit heimatlichem Bezug geboten - und das bei freiem Eintritt. Regionalbibliotheksleiterin Sabine Guhl stellte den in Niederbayern geborenen Fendl vor. Der 82-Jährige, der sich gern als "Sohn eines Besenbinders" bezeichnet und zuerst Theologie studiert hatte, entschied sich später doch für den Lehrerberuf. Daher auch seine Kunst, Geschichte lebendig zu präsentieren, mit der Sprache zu spielen und die zweieinhalb Stunden seines Vortrags so lebendig zu gestalten, dass keinem auch nur eine Sekunde langweilig wurde. Die G'schichten und Sprüch' des passionierten Heimatpflegers und -forschers, der auch elf Jahre als Herausgeber des "Straubinger Kalenders" wirkte, fesselten die Gäste. Die meiste Zeit bog man sich vor Lachen.
Fendls Trumpf ist seine Vielseitigkeit. Der "literarische Besenbinder", von dem seit 1964 über 60 Bücher erschienen sind, ist als temperamentvoller Rezitator seiner Geschichten, Schwänke, Sprüche und Wirtshausaphorismen bekannt. Mit unnachahmlicher Gestik und Mimik zog er seine Zuhörer mit Erinnerungen aus seiner Kindheit (Buch erscheint in wenigen Wochen) in seinen Bann, erzählte er von wohligen Sommer in den Kornmandln auf den Feldern seiner Eltern, von schmerzhaften Erlebnissen beim Bader (Zahnarzt) oder von Hitlerbildern im Gymnasium.
Der 82-Jährige - "Gott sei Dank 17 Tage zu spät geboren, so dass ich nicht mehr in den Krieg einrücken musste" - berichtete von Holzschnitzern, Bauern, Teufeln und Mädchen aus dem "Wald". Kalendergeschichten, "kurz, bündig, knapp", handelten vom Zwist zwischen den "Waldlern", also den einfachen Menschen aus dem Bayerischen Wald, und den gegenüber diesen etwas hochmütig auftretenden Straubingern. Dass man Geschichte nicht "trocken" servieren muss, bewies Fendl mit einer historischen Erzählung über die Geburt des Thronfolgers von Heinrich VI.
"Dass sich Gedichte nicht unbedingt reimen müssen, wissen wir seit ein paar Wochen von Günther Grass", leitete Fendl seine Lyrik ein. Es folgten Bauern- und Wirtshaussprüche, Spitzen gegen das mit Anglizismen durchsetzte Neudeutsch, aber auch nachdenklich Machendes aus dem bäuerlichen Leben. Zum Schluss bewies der Autor mit der Lesung eines meditativen Texts abermals seine Vielseitigkeit. Die "Grenzgangmusik" harmonierte exzellent mit Fendl - mit Zwiefachem, Jodler oder Bolero. Die Zuhörer applaudierten begeistert und entließen Fendl und die Musiker erst nach etlichen Zugaben.
Bericht: Bernhard Czichon im "Neuen Tag"
Festabend mit Bernhard Setzwein
Aus dem Tagebuch eines Wortschatzsuchers
Heimatschriftsteller Bernhard Setzwein liest bei Weidener Literaturtagen aus seinem "Blauen Tagwerk"
Weiden. Er ist ein "Heimatschriftsteller" der besonderen Art. Passt in keine Schublade, klemmt und sperrt sich gegen Jodler und Lederhosenklischees: Bernhard Setzwein. Am Dienstag ("Tag des Buches") las der gebürtige Münchner, der sich seit Jahrzehnten im Bayerischen Wald wohl und inspiriert fühlt, bei den 27. Weidener Literaturtagen im vollen Saal des Vereinsheims "Almrausch" aus seiner Neuerscheinung aus dem Lichtung-Verlag: "Das blaue Tagwerk - Journal der Jahre 1997 bis 2009".
Faszinierende Spannung
Inmitten bajuwarischer Gemütlichkeit mit gedrechselten Stuhllehnen, vor langen Biertischen, unter Hirschgeweihen, atmosphärisch unterstrichen durch das stimmige Quartett der "Oberpfälzer Grenzgängermusik" von Conny Gurdan, baut Setzwein die faszinierende Spannung auf, genau hierher zu gehören, und doch auch wieder nicht ins Bild zu passen dies mit einer Sprache, "die Funken schlägt".
Mit dem Stück über das "Zoiglbier" gelingt Setzwein der ideale Einstieg, baute er eine gute Brücke zu den Nordoberpfälzern im Saal. Darauf folgt eine bemerkenswerte Ernte aus 13 Jahren an Reisen in den Osten, an Traumprotokollen, Porträts (wie von dem bibliophilen Buchdrucker Christian Thannhäuser), Beobachtungen und Katzengedichten. "Spinnweben in den Wanderstiefeln: Zeichen, dass es wieder Zeit wird für einen Aufbruch", beschreibt Setzwein, das was ihn in Bewegung versetzt. Denn nur beim "Wandern kann er sich wundern", der preisgekrönte Autor der sich 2006 "Zu Fuß auf der Goldenen Straße" bewegte, gemeinsam mit seinen Freunden, den Schriftstellern Friedrich Brandl und Harald Grill, um den rechten Weg zu den Nachbarn im Osten zu finden und zu gehen. Auch die Entstehungsgeschichte seines Theaterstücks "3165 - Monolog eines Henkers", eine Auftragsarbeit der Stadtbühne Vohenstrauß, behandelt in poetischer Weise ein schwieriges Grenzgebiet.
Aktualität der Texte
Zweimal erschrickt der Vorleser selbst über die Aktualität seiner vor längerer Zeit verfassten Texte, die er nach Peter Handke ein "Fastnichts" nennt: Wenn er laut darüber nachdenkt, ob eine Hinrichtung nichts anderes als ein vorsätzlicher Mord aus Rache ist, und als er an anderer Stelle mit Überzeugung feststellte "Titelmissbrauch wird in Deutschland bestraft."
Doch Aufregung liegt Setzwein fern. Er sucht ihn lieber weiter, den "sagenumwobenen Wortschatz" - der mehr Wert sein soll als alles Rheingold des Nibelungen. Was sagt eine Zuhörerin am Dienstag spontan: "Dieser Setzwein baut Sätze so schön, dass sie in Seidenpapierl eingewickelt gehören." Recht hat sie.
Bericht: Anastasia Poscharsky-Ziegler, NT Weiden
Mundart-Leseabend
„Hoi, hoi, hoi"-Geschrei und andere Töne
Zum Schönwerth-Jahr: Mundart-Leseabend beim Heimatring mit Hans Hofmann und „Mia nix dia nix"
Weiden. Aus dem 1935 erschienen Buch „Oberpfälzische Sagen", welches hauptsächlich Sammlungen von Franz Xaver von Schönwerth enthält, las Hans Hofmann beim Heimatring in der „Almhüttn". Der Geburtstag des Oberpfälzer Volkskundlers und Sprachforschers Schönwerth jährt sich heuer zum 200. Mal.
Zeit seines Lebens hat er zahllose Märchen, Sagen, Legenden, Redensarten und Bräuche seiner Heimat gesammelt und aufgeschrieben. Über 100 Gäste aus den Reihen des Heimatrings lauschten begeistert der lebhaft und humorvoll vorgetragenen Lesung durch den als Drehbuchautor und Regisseur des Mundarttheaters „D'lustigen Konrader" bekannten Weidener.
Aus eigener Erinnerung berichtete Hofmann vom früheren Vorsitzenden des Oberpfälzer Waldvereins, dem Landgerichtspräsidenten Dr. Adolf Schuster, der 1959 auf dem Fahrenberg einen Gedenkstein für Schönwerth enthüllte. Sodann ging er auf dessen Sicht auf die Oberpfälzer Landschaft und deren Menschen ein.
Penibel notiert hatte Schönwerth die regionalen Unterschiede bei den Erzählungen von Druden, Zwergen und anderen unheimlichen Gestalten. Aus ihrer Kindheit kannten viele der Anwesenden die Geschichten vom „Hoi-Mandl", das mit furchterregendem „Hoi, hoi, hoi" Geschrei durch die Fluren fährt.
Sagenhafte erdkundliche Lektionen, religiöse Anekdoten und lokale Schwänke ergänzten die lehrreichen Ausführungen, die auch Bezirkstagsvizepräsident und OB-Vertreter Lothar Höher sowie den neuen Stadtheimatpfleger Günter Alois Stadier sehr beeindruckten.
Musikalisch umrahmt wurde die Lesung durch die fünfköpfige Hackbrettmusik „Mia nix dia nix" unter der Leitung von Cornelia Gurdan. Virtuos trugen sie beispielsweise das „Dornröschen" vor, bei dem die Klöppel mit unglaublicher Geschwindigkeit über das Hackbrett sausen. Bei dem Lied über die „moderne Namensgebung" beklagten die Sängerinnen, dass heutzutage die alten Namen wie Simmerl, Blasius oder Veit aussterben würden. Unter Beifall der Gäste gratulierten sie schließlich noch Altbürgermeisterin Elisabeth Kraus musikalisch zum Geburtstag.
Heimatring-Vorsitzender Günther Magerl dankte allen Beteiligten mit kleinen Präsenten. Hofmann wies die Heimatring-Freunde auf das Mund-art-Theaterspiel im nächsten Jahr hin.
Die „Lustigen Konrader" präsentieren dann anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Sankt Konrad" das christliche Schauspiel „Bruder Konrad, der Heilige aus Bayern". Schon jetzt gelte es, sich Karten zu sichern.
Bericht: Bernhard Czichon im "Neuen Tag"
Leseabend mit Gerd Burger am 20.4.2010
Der Krieg wie das Kino ...
... "die hinteren Plätze sind die besten": Lesung erinnert an Eugen Oker
Nicht nur Fernsehsendungen wie "Bayern, wo es kaum einer kennt" stammen aus der Feder von Eugen Oker. Das 1919 in Schwandorf geborene Multitalent - er war unter anderem Sammler, Topograph, Spielekritiker, Autor, Zeichner, Musikant - schuf neben gut 20 Büchern in Dialekt, Gedichtbänden und Romanen auch ein Kinderbuch, für das er vielfach ausgezeichnet wurde.
Berühmter Stoßseufzer
Den Lebensweg des Oberpfälzers schilderte Regionalbibliotheks-Chefin Sabine Guhl am Dienstag den Gästen der Weidener Literaturtage in der Almhütte. Auf Einladung des Heimatrings waren gut 200 Besucher gekommen, um die Kriegserinnerungen des Schriftstellers zu hören, die dieser mit dem oberpfälzischen Stoßseufzer "Brouda, da Gräich" untertitelt hatte.
In unverwechselbarem "Oker-Ton" las Gerd Burger (Regensburg) - er hatte das Oberpfälzer Original über die autobiografischen Texte aus Okers Buch "Zahlbar nach dem Endsieg" kennengelernt. Der Titel bezieht sich auf die Schuldscheine über Tausende und Abertausende von Reichsmark, die sich die Soldaten beim Kartenspiel während des Truppentransports oder an der Front ausstellten.
Oker, der als 21-Jähriger einrücken musste, hatte bald erkannt, dass "im Krieg, genau wie im Kino, die hinteren Plätze die besten sind". Burger las Okers Erinnerungen an Paris, an das "Leben wie Gott in Frankreich", die Verlegung nach Osteuropa, wo es "nicht mehr ganz so gspaßig war" bis zur Heimkehr aus Südtirol, wo er dem Krieg - gemäß dem rührseligen Wiener Lied - "ganz leise Servus" gesagt hatte.
Gelesen und gesungen
Zwischen die Kapitel streute Erhard Bablok mit rauer, kerniger Stimme Lieder und von ihm vertonte Gedichte Okers ein. Heimatringvorsitzender Günther Magerl dankte den Akteuren "im Jahr des weißen Goldes" abschließend mit Weidener Porzellan sowie mit "Heimatring-Wein".
Leseabend mit Paul Neugirg am 15.09.2009
Oberpfälzer Mundart und Töne im Dialog
Erster Leseabend des Heimatringes fand großen Anklang: Mit Paul Neugirg und der "Grenzgangmusik"
Einen literarischen Versuch außerhalb der "Weidener Literaturtage" wagte der Heimatring Weiden mit seinem ersten Leseabend in der "Almhüttn" und er hat sich gelohnt. Dabei las der Turmschreiber und Dialektautor Paul Neugirg aus seinem Buch "Neis Testament aaf oberpfälzisch" und die "Oberpfälzer Grenzgangmusik" gestaltete die Lesepausen.
Vorsitzender Günther Magerl begrüßte über 70 Heimatringfreunde, darunter die SPD-Stadträte Alois Schinabeck, Josef Gebhardt, Gabriele Laurich, Brigitte Schwarz und von der CSU Walter Leupold, Heimatring-Vize Norbert Uschald sowie zwei Ehrenmitglieder. Das Neue Testament als wichtigstes Buch der Menschheit brachte der aus Reuth bei Erbendorf stammende Dichter in seiner oberpfälzer Übersetzung zu Gehör. Mit Humor und manchmal etwas hintergründig ließ er den Menschenschlag der "Oberpfälzer" in seine Übersetzung einfließen und brachte die Anwesenden mit Kapiteln seines Buches, das im Verlag Stangl und Taubald mit Illustrationen erschienen ist, immer wieder zum Lachen.
"Zeaschd" lautet das erste Kapitel, dabei geht es um die Erschaffung der Welt und unserer bayerischen Heimat: "As Herzstück owa, vo unsan kloina Bayernland, des is als d Owapfalz bekannt. Dou leem nu aafrechte Leit, döi hom Kraft und aa a Schneid, sie saan schdoag in iane Gedankn, fürchtn se niad vo die Owabayern und Frankn, freia si nu üwa Klonichkeitn mit dene sie die Mitmenschn Vagnügn bereitn."
Ein Ohrenschmaus
Gekonnt setzte die "Oberpfälzer Grenzgangmusik" passend zum Autorentext gesangliche auf biblische Stellen umgemünzte Oberpfälzer Couplets musisch um. Leiterin Cornelia Gurdan (Mantel), Ulrike Remold (Plößberg) und Reiner Artmann (Mitterteich) begeisterten dabei mit Hackbrett, Gitarre, Harmonika und Gesang. Ein Ohrenschmaus war die "Invention" in A Moll von Johann Sebastian Bach, als Hackbrett-Duo gespielt von Gurdan und Remold.
Neuauflage angedacht
Im großen Schlussapplaus fand sich die Begeisterung der Zuhörer wieder und Günther Magerl bedauerte, dass auch ein schöner Abend einmal zu Ende geht, lobte die Musiker sowie Paul Neugirg und er zog eine Neuauflage des Leseabends in Erwägung.
Bericht: R. Dobmeier im "Neuen Tag"
Festabend mit Franz Hüttner am 28.04.2009
Franz Hüttner und die "Fletz-Musik" unterhalten mit bayerischen Schwänken
Unter dem Motto "Lauta Narrn - Bayerische Schwänke und Musik" hieß Heimatring-Vorsitzender Günther Magerl in der gut gefüllten "Almhütt´n" zum Festabend im Rahmen der Weidener Literaturtage herzlich willkommen.
Franz Hüttner und die "Fletz-Musik" aus Püchersreuth mit Ulrike Märkl-Richter an der Harfe und Markus Märkl am Hackbrett führten durch das Programm. Das Trio vervollständigte Dieter Neubauer aus Neustadt am Kontrabass.
Franz Hüttner, Weidener "Urviech" und langjähriger Aktivist des Oberpfälzer Waldvereins, erzählte bayerische Schwänke aus den Sammlungen von Emmi Böck.
Das reichte von Kindheitserinnerungen ans Jaköble, der den Most aus dem Keller holte, aber den Hahn am Mostfass nicht mehr schließen konnte, jedoch während des Essens am Tisch nicht sprechen durfte, bis hin zum "Boder", der den Bauern beim Rasieren gleich ins Gesicht spuckte.
Abwechselnd lieferten sich die Künstler einen dynamischen und humorvollen Wettstreit für einen überaus gelungenen Abend. Ein seltsames Anatomieverständnis hatte der kleine Adolf, der sich nicht davon abbringen ließ, dass der Mensch zwei Lungenflügel besitze, denn er habe doch seiner Schwester schon beim Waschen zugeguckt.
Festabend mit Manfred Böckl am 22.04.2008
Keltische Sagen aus Bayern
Manfred Böckl geht bei den Weidener Literaturtagen dem Ursprung alter Erzählungen nach
"Von Alraunhöhlen und Seelenvögeln" - der Titel der Lesung lies es schon verlauten: Manfred Böckl entführte auf den Weidener Literaturtagen in das Reich der Sagen. Beim Heimatring im Vereinsheim Almrausch las er aus seinem gleichnamigen Buch alte Erzählungen aus Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz. Das Besondere daran: Alle davon weisen laut Böckl eindeutig keltische Motive auf.
Fast 120 Sagen
Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Schriftsteller aus dem Bayerischen Wald in Romanen und Sachbüchern mit den Kelten und ihrer Mythologie. In der Sammlung "Von Alraunhöhlen und Seelenvögeln" hat Böckl fast 120 Sagen zusammen getragen, die er mit der keltischen Mythologie in Verbindung bringt. "Bayern war ja einmal keltisches Siedlungsgebiet", erklärte der Autor im Rahmen der geselligen Runde in Weiden. Gerade in der bayerischen Sagenwelt ließen sich keltische Elemente noch häufig auffinden, wenn auch meist christlich überformt.
Dass sich etwa die Kelten ihre Hauptgottheit in der Gestalt dreier Frauen vorstellten, ziehe sich durch eine ganze Reihe bayerischer Sagen. Böckl las dazu die Erzählung "Die drei Schwestern und der Bär" und trug anschließend wie bei jeder Sage die ebenfalls im Buch enthaltene Interpretation vor. Von einem Bären geplagt, der ihr auf den Rücken gesprungen ist, wird eine der Schwestern erst von ihrer Last erleichtert, als sie verspricht, eine Kapelle errichten zu lassen - laut Böckl ein Sieg der Christianisierung über das Heidentum.
Auch Sagen aus dem Bereich des keltischen Jenseits, der "Anderswelt" trug Böckl vor. Da ging es um 13 grüne Männchen, die dem arglosen Wanderer Speisen anbieten. Oder um ein plötzlich aus dem Boden geschossenes Wirtshaus, in dem Spiel und Tanz locken. Glücklicherweise widerstehen die Opfer zumeist den Versuchungen. "Denn sofern sie gegessen und getrunken hätten, wäre ihnen die Rückkehr ins Diesseits verwehrt worden", so Manfred Böckl. "Dies ist bekanntlich ein klassisches Erzählmotiv der keltischen Mythologie."
Unterhaltsamer Ausflug
Selbst wenn die Interpretationen der Sagen nicht immer wissenschaftlich fundiert wirken - der Tanz von Bauernfamilien um alte Birnbäume etwa wird schnell als ursprünglich heidnischer Ritualtanz ausgelegt -, bot Böckl einen unterhaltsamen Ausflug in eine andere Welt. Musikalisch gestaltet wurde der Abend von der Band um Conny Gurdan, die in selbst getexteten Liedern ihre eigenen Gedanken zur Schöpfungsgeschichte und anderen fundamentalen Ereignissen zum Besten gab.
Das Buch "Von Alraunhöhlen und Seelenvögeln - Keltische Sagen aus Altbayern" von Manfred Böckl ist in der Verlagsanstalt Bayerland erschienen und kostet 18,50 Euro.
Bericht: Susanne Wolke im "Neuen Tag"
Festabend mit Werner Steinmassl am 08. Mai 2007
Den Spiegel vorgehalten
Österreichischer Kabarrettist Werner Steinmassl zu Gast beim Heimatring
Weiden. "Arm sein - möcht' ich nicht für zehn Millionen!". Mit hintersinnigen Weisheiten sparte Werner Steinmassl beim Literaturtage-Festabend des Heimatrings nicht. Immer wieder schlüpfte er in andere Rollen - sowohl verbal als auch garderobenmäßig - und hielt der Menschheit den Spiegel vor: "seligen Trotteln, die maulaffende Kinder zeugen".
Steinmassl interpretierte, meisterlich begleitet von Dr. Walter Reckziegel am Klavier, Texte von Hörbiger, Moser und anderen. Agierte mit herrlicher Mimik und Gestik, parodierte bis ins Groteske und sang "heurige" und "gestrige" Lieder von Hermann Leopoldi bis Andre Heller.
"Tu, felix Austria, juble und jodle!", hatte Kulturamtsleiter Bernhard M. Baron aufgefordert. Ein "Österreich- Abend der besonderen Art" wurde es tatsächlich. Der in Graz geborene Schauspieler und Kabarettist Steinmassl begeisterte mit seinem stets temporeichen, schwarzhumorigen, hintergründigen und treffsicheren Vortrag. Manchmal blieb dem Publikum das Lachen im Hals stecken, wenn es sich selbst in der einen oder anderen Figur erkannte.
Die Wiener Melancholie, die Sehnsucht nach dem Tod klang immer wieder durch. Auch auf bayerische Vorkommnisse ging der Kabarettist ein. Er sang: "Ein Bär lebt in Bayern nicht lang." Das Publikum in der - bei freiem Eintritt - übervollen "Almhüttn" dankte es Steinmassl mit donnerndem Applaus. Dieser revanchierte sich mit mehreren Zugaben. Heimatring-Chef Günther Magerl belohnte den Kabarrettisten mit "Eslarner Bockl-Dampf" zur Erinnerung an seinen Auftritt in der nördlichen Oberpfalz.
Bericht: Bernhard Czichon im "Neuen Tag"
Festabend mit Albert Mühldorfer
Humor und eine spitze Zunge
Albert Mühldorfer begeistert beim Heimatring seine Zuhörer
Weiden. Heftig gestikulierend, mit auf- und absteigender Stimme spielt Albert Mühldorfer Mann und Frau bei "122 Frühstücksdramen" und anderen Geschichten. Die Zuhörer lachen lauthals. Doch manchmal bleibt einem dieses Lachen im Halse stecken, wenn man sich in der einen oder anderen Figur selbst erkennt.
Beim Festabend des Heimatrings anlässlich der 22. Weidener Literaturtage, wo Mühldorfer vor einem proppenvollen Saal aus seinen Büchern las, zollten die Zuhörer dem Regensburger Autor mit tosendem Beifall Respekt. Sie waren vom spitzzüngigen, hintergründigen Humor Mühldorfers begeistert. Kulturamtsleiter Bernhard M. Baron hatte den 54-Jährigen, der durch seine Lesungen, Anthologiebeiträge und Rundfunkbeiträge bekannt geworden ist, als "Mann der schwarzhumorigen, hintergründigen und doppelbödigen Betrachtungen" vorgestellt. In "Ned blos Indiana" wird festgestellt: "Die Suche nach der Identität und ein spontanes, ungekünsteltes Verhältnis zu Humor und Ironie sind kennzeichnende Züge des ,Dialeggd-Dings' Mühldorfers". Seine weiteren Bücher "Vaheirat", "Ganz schee daschrogga", "Wie ich mir's denk" und zuletzt "Ruck a weng" (2004 erschienen) beweisen dies.
Viel ums "Hirn" ging's in der Lesung. Wenn es sich nach erster Erkenntnis "Sapprament, den kenn ich doch!" dann doch anders erweist. Und um die Liebe. "Wo anders als in der Liebe findet der Mensch seine Heimat?", fragte Mühldorfer. Es ging um "Phasen der Ehe", "Bindemittel einer Zweierbeziehung", aber auch um Besinnliches. Passend zu den jeweiligen Geschichten flocht das "Sait'n-Duo", bestehend aus Cornelia Gurdan (Hackbrett und Gesang) und Erich Fladerer (Gitarre), Lieder und Landler ein. Heimatring- Vorsitzender Günther Magerl dankte dem Dichter mit einem hochprozentigen Gruß aus Weiden, einem "Max- Reger-Tropfen".
Bericht: Bernhard Czichon im "Neuen Tag"
TEE ODER KAFFEE
mach ma r uns
an tee oder an kaffee?
was d magst
was magst n du?
mir is s gleich
sag halt, was d magst!
i mag, was du magst
i mag a antwort
aaf was?
aaf was e gfragt hab
wann?
grad
was hast n grad gfragt?
was d dringa magst
irgndwas
sag halt was!
a kakao waar amol ned schlecht
hamma leider ned dahoam
na mach ma r uns halt
an tee oder an kaffee
TRAUERFALL
laaft ma doch ned
mei exfrau übern weg
ganz in schwoaz, vastehst
mei mo, sagt s
bumperlgsund war a
fallt um _ dood _ vastehst
siehgst as, deng e ma
had da d scheidung
s lebn grett, vastehst
DAHOAM BIN E
dahoam bin e
wo ma s bett gmacht wird
und in da friah
da kaffee hoaß aaf m tisch steht
dahoam bin e
wo ma da aschnbecher ausgleert wird
und aaf d nacht
a boa flaschln bier im kühlschrank liegn
dahoam bin e
wo s is, wia r e s mag
wo s laaft, wia r e moan
wo doa wird, was e wüill
dahoam bin e
bei dir
du kennst me
und magst me trotzdem
HALLNBAD
fahr halt in d stood
s hallnbad häd grad no off
schwimmst a dreiviertl stund
des gangert no schee
a guade idee
scho sitz e im wagn
und an parkplatz findd e aa
direkt vorm tabakladn
steig aus
denk ma, a kistl zigarrn duad s aa
geh eine, kaaf s
und fahr wieder hoam
DONAUAUSBAU
D Donau is z eng
ausbaua wolln s e s
Aus da landschaft
oder was?
I konn s ma ned vorstöilln
bei dem gwicht und der läng.








